Bildungsausflug nach Buchenwald

Um die 50 Teilnehmer_innen waren heute im Konzentrationslager Buchenwald, um sich über die Geschichte der Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland zu informieren und auch, um über die Möglichkeiten des Erinnerns zu diskutieren. Die Gruppe ist bunt gemischt. Neben 15 Mitgliedern der MitspielerAKADEMIE unterschiedlichen Alters sind Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Meuselwitz dabei, die gemeinsam mit den Schauspieler_innen von Theater&Philharmonie Thüringen sowie anderen Mitarbeiter_innen des Theaters diesen Tag gemeinsam erleben. Auch die Autorin des Stückes, Mona Becker, nimmt an der Exkursion teil sowie der Altenburger Heimatforscher und Autor des Buches „Cohn-Bucky-Levy: Reastlos vorwärts!“ Christian Repkewitz. Vor Ort werden wir, buntgemischt, in drei Gruppen geteilt, die angeleitet von Herrn Gaede, Herrn Rook und Herrn Hirte die Gedenkstätte Buchenwald besichtigen. Der Besuch und die Gespräche mit den einzelnen Spezialisten ist beeindruckend. Insbesondere hinsichtlich der Reflexion darüber, wie man Gedenken, Erinnern und Mahnen kann. Wie geht man um mit diesem dunklen Teil der deutschen Geschichte? Wie warnt man die nächsten Generationen? Diesbezüglich hat die Gedenkstätte selbst einen Wandel vollzogen. Während in den 80er Jahren Abschreckung vor den Greueltaten noch im Fokus der Ausstellung stand, ist heute die Frage danach, wie es dazu überhaupt kommen konnte ein wichtiges Thema der Gedenkstätte. So sind es insbesondere die einzelnen, individuellen Schicksale, die in der Dauerausstellung im Fokus stehen. Wie wurde ein einfacher Bürger plötzlich zum Verdächtigen, wie und warum eine Nachbarin zur Denunziantin? Wer hat vermeintlich heldenhaft gehandelt und wer musste eben unter dieser Handlung auch leiden? Wie kann man sich einem System als einzelne Person entgegen stellen und wie kann so ein starkes, totalitäres System in einer Demokratie überhaupt entstehen? Immer wieder auch taucht die Frage nach heutigen Bezügen, heutigen Tendenzen von Ausgrenzung und Abgrenzung auf. Auch die Rolle der Sprache wird dabei diskutiert, denn es sind die Worte, mit denen eine Zuschreibung und Einordnung in eine Gruppe, eine Ab- bzw. Aufwertung eines Menschen beginnt.

Spannend auch, mit welch unterschiedlichen künstlerischen Mitteln mit dem Gedenken hier umgegangen wird. Eine Metallplatte erinnert an die Zwangsinhaftierten. Sie wird elektrisch auf die menschliche Körpertemperatur beheizt, sodass sie nicht nur in mit ihrer Gravur alle betroffenen Gruppen und Nationen der Haft aufzählt, sondern die Universalität der Menschen in sich vereint. Alle Inhaftierten – egal ob sie wegen ihrer politischen Einstellung, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geistigen Gesundheit, ihrer Religions- oder Volkszugehörigkeit oder ihrer Nationalität deportiert wurden – alle waren Menschen, hatten diegleiche Körpertemperatur und ein gleiches Recht darauf auf dieser Erde in Frieden zu leben.

Viele Eindrücke nehmen wir aus diesem wichtigen Tag mit nach Hause, diskutieren noch Tage später in kleineren Gruppen weiter und werden sehen, wie sich auch dieser Ausflug auf die Entwicklung des Stückes „Cohn Bucky Levy – der Verlust“ auswirken wird.

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